Wöchentlicher Tagesblog des Monats

24. Oktober 2016
Quantenautorismus

Die Quantentheorie stellt die Wissenschaft immer wieder vor Rätsel, weil sie mit dem Doppelspaltexperiment beweisen kann, dass manche Dinge vor ihrer Ursache passieren, aber trotzdem sicher sind, dass das keinen Sinn ergibt. (Einfach mal googeln oder hier kucken:

Für mich als Autor ist dieses Phänomen alles andere als paradox, im Gegenteil. Es bildet gewissermaßen meine Lebensgrundlage.
(Ja, ich WEIß, dass das auf alles und JEDEN zutrifft, na und? Darum geht es doch hier gar nicht. Es würde alle viel zu sehr verwirren, wenn das hier auch noch erklärt werden würde. Diskutier das gefälligst woanders. )

Der gemeine (im Sinne von ’normale‘) Autor schreibt gerne linear, aber nur ungern ohne Konzept. Das bedeutet, bevor er daran geht, die Geschichte auszuformulieren, liegt das Konzept mit Anfang, Mitte und Ende hübsch sauber vor ihm und er muss nur noch erzählen, wie er sich das eigentlich alles genau vorstellt.

Ich möchte auch gerne so arbeiten, aber da klappt leider nicht immer. Viel öfter geschieht es, dass mir zwar im Wesentlichen klar ist, worauf das alles hinaus laufen soll, der Weg dahin sich aber durch unendlich viele Möglichkeiten auszeichnet. Er beschreibt weniger eine Handlung, als eher eine Wolke von möglichen Handlungen. Welche von Ihnen das Rennen macht, entscheidet sich erst in dem Augenblick, in dem die Handlung auf dem Papier, bzw. der Datei, festgeschrieben, also beobachtet, wird. Alle anderen Variationen, auch weitere oder parallele Handlungsstränge betreffend, lösen sich in diesem Augenblick in Luft auf. Aus der Wolke wird ein Strang, der tief in die Vergangenheit wurzelt und seine Fühler in die Zukunft ausstreckt. Und da halte ich sie dann in Händen, meine Realität. Fest und sicher bis zum Eingreifen quasigöttlicher Lektoratsmächte.

Sobald sich die Wolke auflöst, hat das natürlich auch Auswirkungen auf die Vergangenheit der Protagonisten. Plötzlich ist es erforderlich, einen Retter vor Ort zu haben, der gerade am anderen Ende des Universums eine Teepause einlegen wollte. Sein bisheriges Leben kann er dann buchstäblich abschreiben.

Gelegentlich trifft es Randfiguren besonders hart. Nämlich, wenn sich heraus stellt, dass sie gar nicht gebraucht werden. Eben noch haben sie dem verheerten Helden den Allerwertesten gerettet, plötzlich gibt es sie nicht mehr. Es hat sie nie gegeben, bzw. wird sie nie gegeben haben. Tragisch.

Also, liebe Physiker, erzählt mir nix von Problemen mit der Quantenphysik, ich habe hier meine eigenen Sorgen. Zum Beispiel mit unsäglich schlechten Formulierungen und logischen Sprüngen in der Argumentation. Noch. Aber gleich, … gleich gibt es sie nicht mehr. Hat es sie nie gegeben.

17. September 2016
Wahrnehmung

Bin unterwegs.
Mit dem Fahrrad.
Muss zur Post.
Immerhin bekomme ich mit dem Drahtesel wenigstens einen Parkplatz. Ich schließe das treue Gefährt an und sehe dabei aus den Augenwinkeln einen Mann auf der Balustrade sitzen. Er hockt da, hält sich die Hand an die linke Wange und jammert leise: ‚Aua‘.
Bei dem Anblick bekomme ich gleich selbst Zahnschmerzen. Der arme tut mir leid. Aber was soll ich machen? Ich kann ja kaum hin gehen und ihm irgendwelche Pillen in den Rachen werfen. Selbst, wenn ich welche dabei hätte, so was kommt einfach nicht gut an.
Also zur Post. Der geplagte Mann geht mir die ganze Zeit nicht aus dem Kopf. Ich hoffe, dass er beim Zahnarzt schnell dran ist und frage mich, warum er überhaupt noch dort herumgesessen hat.
Als ich raus komme sitzt er immer noch da. Er lacht. Die Hand an die linke Wange gepresst scherzt er fröhlich in sein Smart-Phone.

‚Ob du glücklich bist entscheidest du‘,
hieß es mal in irgendeiner Fernsehserie.
Jetzt kapier ich das.

Ich muss einfach nur aufhören,
alles um mich herum für mein Problem zu halten.

22. Juli 2016
BLITZNACHRICHT

LESUNG AM FREITAG, 22.7, IN PANKOW!
Paulas offene Sommerlesebühne

mehr hier: Link zur Veranstaltung

Ich werde mal in meinen Kurzgeschichten kramen, da findet sich sicher etwas passendes. 🙂
Ihr seid natürlich alle herzlich eingeladen, vorbei zu schauen.

14. Juli 2016
Himmel und Hölle

Sohn (9 Jahre) fragt neulich:
»Ich wünschte, ich wüsste, ob ich in die Hölle komme oder nicht.«
»Hm«, sag ich, »Kommt darauf an, was du unter Hölle verstehst.«
»Na«, sagt Sohn, »Also, die Hölle ist ein Sieb. Wer noch nicht genug gelernt hat, der fällt durch und muss noch mal anfangen. Und die anderen können sich dann aussuchen, was sie machen wollen.«

Ich habe dem nichts hinzuzufügen.

13. Juli 2016
Hot Dog’s

‚Gab neulich Hot Dog’s bei uns, zum Abendessen.
Obwohl, eigentlich gab es Pizza. Minipizza. Die ganz kleinen. Heute weiß ich: Wenn Du ein Kind fragst, wie viele es davon essen möchte und es sagt 5, dann mach lieber 10. Ich habe nur 5 gemacht. Pro Kind. Deshalb gab es an dem Abend auch noch Hot Dog’s zum Abendessen.
Ich hätte da eigentlich mit Hurra-Rufen und Applaus gerechnet. Aber das war früher. Zu meiner Zeit. Also, als ich noch ein Kind war. Ist lange her. Wenn da eine Mutti gefragt hätte: ‚Möchtet ihr noch Hot Dog’s?‘, ich wäre im Kreis gesprungen vor Freude. Vorausgesetzt, jemand hätte mir vorher erklärt, was Hot Dog’s eigentlich sind.
Die Kiddies von heute wissen natürlich Bescheid. Die wissen nicht nur, was Hot Dog’s sind, sondern auch genau, woraus die bestehen.
Deshalb höre ich nach meinem großzügigen Angebot auch nicht nur den Ruf :Jaaaaa!, sondern auch:
– Für mich aber ohne Ketchup!
– Für mich nur mit Würstchen und Ketchup!
– Ich will alles, nur ohne Würstchen!

Frustrierend. Da hätte ich ja auch gleich in meinem alten Ferienjob als Kellnerin weiter arbeiten können.

25. April 2016
Wendepunkte

Als unser Sohn meinen Mann und mich am Samstagmorgen aufsucht sind wir guten Mutes. Die Sonne scheint und bestens gelaunt beobachten wir, wie unser Sohn die Küche betritt. Immer wieder knetet er die Hände, dreht sich auf der Stelle und scharrt mit den Füßen verlegen unsere ohnehin schon abgewetzten Küchenfliesen durch. Wir lächelten und ermutigen das Kind, uns diesen besonderen Gedanken mitzuteilen, mit dem er offenkundig gerade einen erbitterten Kampf ausfechtet. Es dauert ein bisschen. Dann, als die Lage schon fast aussichtslos scheint, traut er sich endlich und verkündet verblüffend sachlich: »Weißt Du, Mama, irgendwann bin ich älter, als Du.«
Mein Mann und ich staunen uns an. Dann nicken wir traurig und betätigen uns gegenseitig, was wir schon lange zu wissen glauben. ‚Da ist halt nicht viel zu machen.‘

Eltern sind oft und gerne stolz auf ihre Sprösslinge. Umso größer die Enttäuschung, wenn sich heraus stellt, dass das eigene Kind nicht unbedingt zu Einsteins Erben gehört (obwohl … über den erzählt man sich ja auch so Sachen … aber das gehört nicht hier her.).
Als Elternteil lernt man natürlich, mit dreierlei Umständen zu leben, sie zu akzeptieren und niemals aufzugeben.

»Sohn«, leite ich unser Frühstücksgespräch behutsam ein, »Du hast da vorhin eine interessante Theorie geäußert. Wie wäre es, wenn du sie deiner kleinen Schwester vorträgst, ihr erklärst, wie du darauf gekommen bist und ihr beide dann darüber diskutiert?«
Eine schnelle Antwort bekomme ich nicht, doch das Kind runzelt immerhin die Stirn und beginnt gehorsam, seine Gedanken zu ordnen.
»Also«, beginnt er vorsichtig, »Meine Theorie ist, dass ich irgendwann älter bin als Mama. Und ich komme darauf, weil Mama schon ganz lange 29 Jahre alt ist und dauernd sagt, das bleibt gefälligst auch so.«
Mein Mann und ich strahlen uns an. Wir fallen uns in die Arme und beglückwünschen uns überschwänglich. Sind wir also doch noch einmal davon gekommen.

P.S.: Notiz an mich: Sei nicht immer so verdammt arrogant!
P.P.S.: Selber!

19. März 2016
Lost Words

Es ist mal wieder soweit. Mir fehlen die Worte.
Wie soll ich das dem Chef bloß erklären?
Freudestrahlend im Büro überraschen? ‚He Chef, schön, dass du da bist! Rate mal, was ich mitgebracht habe!‘
Hm … vielleicht nicht gut.
Eine Email vorab? ‚Lieber Chef, ich muss mich leider entschuldigen, weil ich einen ganz entzückenden, aber manchmal leider kreuzdämlichen Gatten daheim habe, der einfach nicht versteht, dass es nicht so einfach ist, einen Hund mit in’s Büro zu bringen, auch oder gerade, wenn er erst 6 Wochen alt ist.‘
Hm … auch nicht optimal.
SMS vielleicht? ‚Bringe im nächsten halben Jahr jetzt immer Hund mit. Keine Sorge, ist nur halb so groß wie das Kaninchen. Wird auch nicht größer. Sehr verspielt, bitte Kabel in Sicherheit bringen!‘
Oh Gott, ich bin gefeuert!

Oder ich erschlage schlichtweg den Kerl mit dem Köter. Das könnte eine Weile dauern, würde aber auf lange Sicht einiges vereinfachen.
Zumindest könnte der Chef mich da jeden Tag besuchen, weil das Büro praktisch gegenüber von meinem neuen Zuhause liegen würde.
‚Lieber Herr Direktor der Justizvollzugsanstalt Tegel, …‘

Nein, ich hab’s!
Ich schreibe einfach einen Blog und schicke dem Chef eine Email mit dem Link in der steht: ‚Bitte unbedingt lesen‘.

Liebe Leser, braucht einer von euch zufällig eine … wie soll ich es ausdrücken … zuverlässige Bürokraft mit eigenständig gestalteten flexiblen Arbeitszeiten und einer Schwäche für kreative Rechtschreibung?

‚Liebes Arbeitsamt, …‘

18. September 2015
Vom modernen Chips-Hasen

Hier macht mal wieder keiner, was ich sage. Außer natürlich unser neuer Mitbewohner, das Kaninchen, das immer noch neu genug ist, um sich gelegentlich einschüchtern zu lassen. Immer seltener, wie ich mit Bedauern feststelle.
Es kommt sofort, wenn man es ruft. Außer natürlich, es hat gerade keine Lust dazu, weil es lieber einen Tunnel unter dem Nachbarzaun durchbuddelt. Nun, solange es wieder zurück ist, wenn es dunkel wird, kann es ja machen, was immer Kaninchen so machen wollen.
Das kluge Tierchen, das von meinen Kindern ‚Fiona‘, von meinem Mann ‚Waltraut‘ und von mir ‚dussliches Karnickel‘ genannt wird, kommt immer wieder zurück nach hause. Da können wir uns drauf verlassen, seit mein Sohn Kartoffelchips auf dem Teppich verteil und das bis dahin kreuzgesund lebende Tierchen hoffnungslos süchtig gemacht hat. Inzwischen haben wir es zwar mit Hilfe von Keksen und Cornflakes einigermaßen clean bekommen, sind aber immer noch sehr besorgt. Der Junge schaut oft schuldbewusst zu, wie sein Vater überrascht aufschreit, weil das geschmacklich irritierte Pelzknäul beharrlich versucht, ihm in die Zehe zu beißen.
Alles in allem ist die Kleine verblüffend lebensfroh, bestellt bei mir gerne Löwenzahn, Möhrchen und abartig teueren Pflücksalat und terrorisiert pflichtbewusst den Rest der Familie, indem es jeden mürrisch anknurrt, der versucht, es zu streicheln.
Ich wünschte wirklich, ich käme ebenfalls damit durch.

14. August 2015

Wettbewerb ‚Kurzgeschichte des Monats‘

Und das nu auch noch …

Warum der Klügere niemals nachgeben sollte – Robin LI

Da stellt sich einem doch die Frage: Muss man denn wirklich ALLES mitmachen?
Antwort: Ja! Also hin da und abstimmen!;)

Abgesehen davon finde ich die Story hier noch viel besser:
Dunkelheit – Frank Kalide

02. August 2015

Multimedia – Lesevideo zum Buch ‚Der Grendel, verbannt in alle Ewigkeit‘

Nu schau Dir DAS mal an!:-)

06. Juni 2015

Kommunikation

»Du, ich habe dir eben eine Email geschrieben,« erklärt mir mein Mann am Telefon.
»Sag mal«, sage ich, »bist Du nicht gerade im Keller?«
Er: »Ja klar.«
Ich: »Aber ich bin doch AUCH daheim…« Ich bin verwirrt.
»Ja, sicher. Also, ich habe dir eben eine Email geschrieben, nur damit du Bescheid weist.«
Ich: »Du rufst mich aus dem Keller an, um mir zu sagen, dass du mir eine Email geschrieben hast?«
Er: »Jetzt hast du es!«
Meine Verwirrung lehnt es ab, zu verschwinden. »Eine Email? Herrgott, du hättest doch nur rauf kommen müssen!«
»Ach,« sagt mein Mann, »In der Mail ist unsere Urlaubsbestätigung und ich fand das halt mal wichtig. Und soweit ich weiß hörst du mir nie zu wenn ich mit dir rede. Aber ans Telefon gehst du immer, egal wann. Weißt du noch letzte Woche, als wir gerade …«

Ich muss nachdenken. Wie hat er bloß rausgefunden, dass ich ihm nie zuhöre?

03. Juni 2015

Abgefahren

Neulich, also irgendwie heute, fand ich in meinem Mailpostfach … nun ja, Post. Unter anderem die folgende Nachricht von meinem euch mittlerweile bestens bekannten Filmemacher:

Wenn du Lust hast hier ’n Blogeintrag ^^‘

Milchstraße: Lokaler Cluster: 3. Planet des Sol-Systems: Europa: Deutschland: Berlin: U-Bhf Gesundbrunnen: U8
Lokale Zeit: 02. Juni 2015, 16:43:08 MESZ

U-Bahn-Fahrer über die Durchsageanlage:

„JA SEIT IHR DENN ALLE BESCHEUERT? KLAR! QUETSCHT EUCH NOCH MEHR IN DIE BAHN!

ICH FAHRE JA SCHLIESSLICH DIE LETZTE BAHN DIE HEUTE KOMMT!

IST JA NICHT SO ALS WÜRDE IN 5 MINUTEN DIE NÄCHSTE KOMMEN!

Und sich dann auch noch wundern, dass die Bahnen alle so voll sind…“

Fahrgäste: „Hä?“

Hier lang gehts zum Archiv. >>>>>

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.